Umfangreiches Maßnahmenpaket für Bergsträßer ÖPNV
Kreis Bergstraße | 15.05.2022

Auf dem letzten Treffen des Netzwerk bergstraße.mobil referierte Verkehrsplaner Dennis Ulas vom Verkehrsverbund Rhein-Neckar (VRN) über aktuelle Entwicklungen und Planungen zum ÖPNV im Kreis Bergstraße. Großes Lob gab es von den Teilnehmenden für den großen Umfang und die Qualität der in Umsetzung befindlichen Maßnahmen. An weiteren Ideen und Optimierungsvorschlägen mangelte es gleichwohl nicht.

In einem umfassenden Rundumschlag über das gesamte Kreisgebiet wurden in der von Peter Castellanos (bergstraße.mobil) moderierten Sitzung viele planerische Maßnahmen erörtert, mit denen der ÖPNV im Kreis Bergstraße weiterentwickelt werden soll. Grundlage hierfür bildet überwiegend der im November 2020 durch den Kreistag beschlossene Nahverkehrsplan.

Alle Maßnahmen unter finanzierungsvorbehalt

Doch bevor das Maßnahmenpaket mit den jeweiligen Sachständen präsentiert wurde, stellte Ulas klar: „Alle Maßnahmen stehen unter Finanzierungsvorbehalt!“. Ob also z.B. eine Buslinie häufiger fährt oder ein neues Ruftaxi eingerichtet wird, hängt immer davon ab, ob die Finanzierung durch den oder die jeweils betroffenen Kostenträger gesichert wird. Je nach Verbindung ist entweder allein der Kreis, eine Kommune, Kreis und Kommune zusammen oder der Kreis Bergstraße und ein Nachbar-Aufgabenträger beteiligt. Mit Blick auf die Zukunft hängt die Umsetzung vieler Maßnahmen außerdem am Umfang der ÖPNV-Fördermittel des Landes Hessen, über die der Kreis einen Großteil seines laufenden ÖPNV-Betriebs finanziert. Denn die geplanten Angebotsausweitungen kosten einiges.
Allein die nicht zurückgestellten Maßnahmen des sogenannten „Vordringlichen Bedarfs“ – also den kurzfristig geplanten Maßnahmen – schlagen mit rund 350.000 Euro pro Jahr zusätzlich zu den heutigen Kosten zu buche. Fünf dieser Maßnahmen wurden schon umgesetzt. Dazu gehört z.B. die Anbindung aller Wald-Michelbacher Ortsteile (im Rahmen des Projekts „Michelbus“), die Erweiterung der Buslinie 675 Bensheim – Gronau in die Abendstunden oder die am 25. April in Betrieb gegangene Verlängerung der Linie MO2 bis Lautertal (wir haben berichtet).

Vorerst keine neue Buslinie von Lampertheim nach Heppenheim

Im Weschnitztal soll ab Sommer 2022 eine neue, täglich bediente Buslinie Mörlenbach, Zotzenbach, Rimbach und Fahrenbach erschließen sowie in Lörzenbach an die Linie 667 nach Heppenheim anbinden. Ab September soll außerdem die ÖPNV-Lücke zwischen Lorsch und Hüttenfeld mittels einer Rufbus-Verbindung geschlossen werden. Diese soll in Hüttenfeld einen Anschluss an die Buslinie 644 nach Viernheim herstellen. Die Umsetzung der im südlichen Ried langersehnten Direktverbindung von Lampertheim über Hüttenfeld nach Heppenheim musste erneut verschoben werden. Hier habe sich der VRN zusammen mit dem Kreis bis zuletzt leider erfolglos um eine kurzfristigere Umsetzung im Sinne der Fahrgäste bemüht. Als neuer Umsetzungstermin ist hier nun Dezember 2025 avisiert.
Von den mittel- bis langfristig priorisierten Maßnahmen, könnte ggf. schon ab kommendem Dezember die Verlängerung der Linie 667 zum Kreiskrankenhaus in Heppenheim umgesetzt werden. Derzeit endet die aus Grasellenbach und Fürth kommende Buslinie am Heppenheimer Bahnhof, wo es gelegentlich zu Verspätungen und Anschlussverlusten zwischen Bus und Bahn kommt. „Wir wollen uns daher die Fahrzeiten und Anschlüsse der Linie 667 nochmal genauer ansehen. Im Zuge dessen und der ebenfalls geplanten Optimierung der Heppenheimer Stadtbuslinien könnte die Durchbindung vielleicht schon früher realisiert werden, als ursprünglich geplant“, lässt Ulas auf die Änderungen blicken, die von den Betroffenen in der Runde erfreut zur Kenntnis genommen wurden.

Weitere mittelfristige Maßnahmen sind etwa Nachtfahrten in Wochenendnächten (u.a. auf den Linien 644, 646, 667, 669 und 684, vsl. ab 2024 bzw. 2025) und die Ausweitung der Buslinie 666 Fürth – Lindenfels – Seidenbuch – Gadernheim mit Weiterführung bis Brandau (ggf. ab Dezember 2026). Der Lückenschluss zwischen Affolterbach und Beerfelden (Odenwaldkreis) per Rufbus oder die Verlängerung der Mannheimer Buslinien aus Schönau und Sandhofen bis Lampertheim ist derzeit noch nicht mit einem Umsetzungstermin versehen.

Darüber hinaus arbeiten Kreis und VRN derzeit daran, Ruftaxis etwas nutzerfreundlicher – also Bestellung auch über App sowie einheitliche Rufnummer in allen Kommunen – zu machen und an der Ausstattung von Haltestellen mit Echtzeit-Informationen über Monitore. Bei letzterem und beim barrierefreien Haltestellenausbau seien die Kommunen die maßgeblichen Akteure, die das Umsetzungstempo bestimmen.

Noch Potenziale bei Freizeitverkehr und Michelbus vorhanden

„Insgesamt blicken wir hier auf ein Maßnahmenpaket, das die Bevölkerung im gesamten Kreis Bergstraße zu einem Umstieg auf den ÖPNV animieren kann. Zur Einläutung einer echten Verkehrswende muss aber wie so oft noch an wichtigen Details gearbeitet werden“, zieht Peter Castellanos für bergstraße.mobil ein überwiegend positives Zwischenfazit zur Eröffnung der Diskussionsrunde.

In dieser äußerten die Teilnehmenden konkrete Ideen und Vorschläge. Z.B. wie man mehr Freizeitverkehre in den ÖPNV bekommen und die örtliche Parksituation entlasten könnte. So wäre eine bisher nur rudimentär im Nahverkehrsplan berücksichtigte Ringlinie von Bensheim über das Fürstenlager und weiter über Balkhausen, Felsberg/Kuralpe, Beedenkirchen, Felsenmeer, Reichenbach und über die B47 zurück nach Bensheim denkbar. Eine weitere Möglichkeit wäre eine Ausweitung der Fahrradmitnahme auf vorhandenen Buslinien mittels Hecklastträgern, wie sie z.B. bereits an Sommerwochenenden auf der Linie 665 von Bensheim nach Erbach zum Einsatz kommen. Die geplante Gästekarte für Übernachtungsgäste mit integrierter ÖPNV-Nutzung könnte eine zusätzliche Nachfrage für solche Angebote bringen.
Beim Michelbus sieht ein Teilnehmer „noch nicht ausgeschöpfte Potenziale des ansonsten attraktiven Konzeptes“. So wurde eine Ausweitung auf Teile der Gemeinde Grasellenbach, z.B. Ober-Scharbach/Hammelbach und Bedienung des Grasellenbacher Teils der Siedlung Tromm sowie eine Ausweitung der digital buchbaren Haltestellen angeregt. Ein weiteres Thema waren die seit Februar 2021 nach Worms durchgebundenen Fahrten der Linie 642, die – wie Ulas deutlich machte – noch nicht gut genug angenommen werden. Nach Auffassung einiger Teilnehmer überrasche das wenig; schließlich werde der Wormser Einkaufspark als wichtiges Ziel nicht bedient und der überflüssige Umweg über Hofheim – von dort fahren zwei Bahnlinien nach Worms – koste für Nordheimer und Wattenheimer viel Zeit, die die Verbindung nicht konkurrenzfähig zum Pkw mache. Als Schnellbus für Nordheim und Wattenheim könne diese Linie für neue Kunden dagegen interessant sein.

Der nur kurz angerissene Schienenpersonennahverkehr im Kreis Bergstraße und das Thema kundenorientierte Tarifstrukturen – hier insbesondere RMV-VRN-Übergangstarif – werden als Themenschwerpunkte für die kommenden Netzwerktreffen mitgenommen. „Wir werden hier erneut den Kontakt zum VRN suchen, um den konstruktiven Dialog fortzusetzen“, gibt Castellanos abschließend für bergstraße.mobil bekannt.

Die Präsentation zum Vortrag von Herrn Ulas ist HIER abrufbar.

Beedenkirchen nun täglich mit Bus erreichbar!
Lautertal/Darmstadt-Dieburg | 02.05.2022

Gemeinsame Pressemitteilung von
Lautertaler Bürgerliste (LBL) und Netzwerk bergstraße.mobil


Die neue Verlängerung der Buslinie MO2 verbessert zweifellos die Mobilität in Beedenkirchen sowie in den Gemeinden Lautertal, Modautal und Fischbachtal. Am Fahrplan und an der weiteren Verkehrsentwicklung im nördlichen Lautertal sehen bergstraße.mobil und LBL allerdings noch Nachsteuerungsbedarf, damit der Umstieg auf den ÖPNV wirklich allen gelingen kann.

Endlich ist es so weit: Der Busverkehr zwischen Lautertal und dem Nachbarkreis Darmstadt-Dieburg ist nun sinnvoller geregelt. Davon profitiert insbesondere Beedenkirchen, wo sich das Angebot zeitweise fast versechsfacht. Montags bis freitags im Stundentakt und am Wochenende alle zwei Stunden ist es nun möglich kreisübergreifend von Reichenbach nach Reinheim und zurück mobil zu sein. „Das wird viele freuen die ihr eigenes Fahrzeug stehen lassen wollen oder eben keines haben. Einkaufen, Besuche und Arztbesuche lassen sich nun auch ohne eigenes Auto planen“, freut sich Peter Rohlfs von der Lautertaler Bürgerliste (LBL), die das neue Angebot maßgeblich initiierte und vorangetrieben hat.

Neue attraktive Anschlüsse - vereinzelt noch Verbesserungsbedarf vorhanden

In Brandau kann die DADINA-Linie O nach Darmstadt über Modau und Ober-Ramstadt erreicht werden. In Reichenbach kann man in die VRN-Linie 665 nach Bensheim und in Reinheim in die Odenwaldbahn nach Darmstadt und Frankfurt umsteigen.  Hier sehen das Netzwerk bergstraße.mobil und die LBL allerdings noch Verbesserungsbedarf im Detail: Die Umsteigezeiten in Reichenbach und Reinheim könnten etwas stabiler gestaltet werden. Vorschläge dies kurzfristig zu erreichen hat das Netzwerk bergstraße.mobil bereits an DADINA und VRN geschickt, in der Hoffnung, dass eine entsprechende Fahrplananpassung zum Sommerfahrplanwechsel vorgenommen wird (wir haben berichtet). Immerhin werden jetzt alle Anschlüsse in der digitalen Fahrplanauskunft angezeigt.

Problematisch finden das Netzwerk und die LBL außerdem die am Wochenende fehlenden Anschlüsse in Reichenbach. Dies ließe sich durch eine Durchbindung der MO2 bis Bensheim beheben. Damit würden Beedenkirchen, Reichenbach (einschl. Felsenmeer) und Elmshausen eine Direktanbindung an die S-Bahn-Rhein-Neckar Richtung Mannheim bekommen, sowie den Takt der vorhandenen Linie 665 sinnvoll ergänzen. „Dass Beedenkirchen sowie die Freizeitziele Neunkirchen und das Felsenmeer ausgerechnet am Wochenende von der Region Rhein-Neckar abgekoppelt bleiben sollen, gibt mir ein wenig zu denken. Wie soll das vor allem Touristen zum Umsteigen auf den ÖPNV bewegen?“, fragt Castellanos und hofft auch hier auf zeitnahe Abhilfe. Sonst bestehe die Gefahr, dass sich die prognostizierte Nachfrage auf der neuen Linie nicht einstellen könne und den Verkehrsproblemen am Felsenmeer im Sommer weiterhin nichts Wirksames entgegengesetzt werden kann.

Trotz der genannten Nachbesserungsbedarfe im Detail ist das neue ÖPNV-Angebot zweifellos ein wahrer Quantensprung im Regionalverkehr und eine Aufwertung des Wohn- und Arbeitsstandortes Beedenkirchen. Dass „Gut Ding manchmal Weile braucht“, zeigt ein Blick in die Historie: 2018 brachte die LBL nach vorherigen Beratungen mit dem damaligen Fahrgastbeirat des Kreises (heute Netzwerk bergstraße.mobil) einen entsprechenden Antrag in die Gemeindevertretung ein. Es folgten Ortstermine, Anschreiben an die Landräte und Verkehrsdezernenten beider Kreise, ein Vortrag im Fahrgastbeirat sowie Kontaktaufnahmen zu DADINA und VRN. Ein erster Erfolg war der Halt einiger Schulfahrten der Buslinie O an der Haltestelle Modaustraße in Beedenkirchen.

Staffel und Kuralpe weiterhin nicht attraktiv angebunden

„Mit dieser neuen Verbindung ist die Arbeit aber noch nicht getan. Dazu muss man nur auf die Achse über die Kuralpe und Balkhausen nach Seeheim-Jugenheim oder die Lücke zwischen Brandau und Gadernheim blicken. Beide Strecken sind jeweils mit mehr als 3.000 Pkw pro Tag weiterhin stark befahren, ohne dass dort ein adäquates ÖPNV-Angebot besteht“, beklagt Dr. Günter Haas für die LBL den noch verbliebenen Handlungsbedarf im Lautertaler ÖPNV. Mit der neuen kreisübergreifenden Bus-Verbindung kann den Massen an PKW an den Wochenenden am Felsenmeer in einem ersten Schritt begegnet werden, sind sich LBL und bergstraße.mobil sicher. Gleichwohl müsse allen Beteiligten bewusst sein, dass nur ein attraktives Gesamtangebot, welches auch Verkehre über die Kuralpe und Richtung Jugenheim in den Blick nimmt, wirklich nachhaltig wirken kann.  Die LBL wird sich zusammen mit bergstraße.mobil und weiteren gleichgesinnten Akteuren auch weiterhin für eine gute Mobilität ohne eigenen PKW für alle Ortsteile in Lautertal einsetzen.

Flyer zum neuen ÖPNV in Beedenkirchen

In einem eigenen, auf Beedenkirchen zugeschnittenen Flyer informieren LBL und bergstraße.mobil über das neue Angebot. Neben dem neuen Fahrplan finden sich darin ein Liniennetzplan und Tarifinformationen. Der Flyer wird in den kommenden Tagen in den Beedenkirchen Haushalten, Vereinen und Unternehmen verteilt. Er kann außerdem HIER heruntergeladen und selbst ausgedruckt werden.



Neue Linie wichtiger Schritt vorwärts - Gesamtkonzept fehlt noch
Bensheim | 12.04.2022

Das Netzwerk bergstraße.mobil begrüßt den Beschluss der Bensheimer Stadtverordneten zugunsten einer neuen Stadtbuslinie auf dem nördlichen Berliner Ring. Um die gravierenden Mängel im übrigen Bensheimer ÖPNV abzustellen, ist jedoch ein Nahverkehrskonzept nötig, das in ein umfassendes Mobilitätskonzept eingebettet ist.
Mit gemischten Gefühlen nimmt das Netzwerk bergstraße.mobil den jüngsten Beschluss der Bensheimer Stadtverordneten vom 31.03.2022 zur Kenntnis, demzufolge auf dem nördlichen Berliner Ring eine neue Stadtbuslinie im 30-Minuten-Takt eingerichtet werden soll. Damit wird ein Vorschlag realisiert, der schon seit mindestens sechs Jahren vorliegt. Gemeint sind die Arbeitsergebnisse des fraktionsübergreifenden „Arbeitskreis Stadtbus“, an dem zwischen 2012 und 2016 interessierte Bürger*innen gemeinsam mit der Stadtverwaltung Verbesserungsvorschläge für den gesamten Bensheimer ÖPNV erarbeitet haben.

Stadtbus weiterhin nicht attraktiv genug

„Es ist einerseits sehr erfreulich, dass sich eine große Mehrheit nun hinter der Vorlage der Verwaltung vereinigen konnte, für die es sehr viele gute Gründe gibt, über die schon umfassend berichtet wurde. Andererseits ist das Tempo mit Blick auf die dringend nötige Verkehrswende und der weiterhin miesen Klimabilanz des Verkehrsbereichs eindeutig zu langsam“, beklagt Peter Castellanos, Sprecher des Netzwerks den Zeitraum zwischen Idee und Umsetzung. „Wirklich gravierend ist aber, dass die übrigen Ergebnisse des Arbeitskreises weder damals, noch heute in der notwendigen Tiefe diskutiert und in eine integrierte ÖPNV-Strategie überführt wurden“, führt Castellanos weiter aus. Nach Auffassung von bergstraße.mobil zeigen folgende Mängel den weiteren Handlungsbedarf im Bensheimer ÖPNV beispielhaft:

  • Die Befürworter der neuen Linie erhoffen sich einen Fahrgasterfolg, der zumindest unter den aktuellen Umständen nur mit viel Glück erwartet werden kann. So fehle eine Haltestelle an der Weststadthalle und am Obi-Kreisel, womit Auerbacher auch weiterhin nicht direkt dorthin kommen können. Um diese Haltestellen in den Fahrplan integrieren zu können, müsste der vorgesehene Umweg im Bereich des Ärztehauses über die Straße „Zwischen den Bächen“ wieder abgeplant werden. Die Linienführung müsse in beiden Fahrtrichtungen beschleunigt über den Berliner Ring laufen. Dafür wiederum sei eine Querungshilfe über den stark befahrenen Berliner Ring nötig. Dieser werde aber nicht nur für querende Fahrgäste benötigt, sondern auch, damit Radfahrer den Radweg Richtung Süden sicher erreichen können.
  • Durch die neue Linie 672 kann die vorhandene Linie 673 im Bereich des Basinus-Bades und der Eifelstraße zwar so angepasst werden, dass die (vorhersehbaren) Probleme in der engen Odenwaldstraße behoben werden können. Weiterhin beibehalten werden soll bei dieser Linie dagegen weiterhin der für einen Stadtverkehr unzureichende 60-Minuten-Takt. Damit bleibt diese Linie auch weiterhin nur ein Zwangskunden-Vehikel und keine überlegenswerte Alternative zum eigenen Pkw.
  • 2017 wurde das Ruftaxi-Konzept, das damals aus 12 Linien bestand, erheblich übersichtlicher gestaltet und neu vertaktet. Trotzdem sind hier leider immer noch zu viele Fahrten nicht auf wichtige Bus- und Bahnanschlüsse abgestimmt.
  • Wichtige Ziele, wie das Hospiz, das Auerbacher Schloss und die Klinik Schloß Falkenhof sind weiterhin nicht an den ÖPNV angebunden. Ein On-Demand-Verkehr nach dem Vorbild des „Michelbus“ in Wald-Michelbach wäre hier die naheliegendste Lösung. Solch einen Vorschlag formulierte der Arbeitskreises schon 2015; leider hat man diese Idee nicht weiterverfolgt.

Gesamtkonzept fehlt

Damit der gesamte Bensheimer Stadtbus – und damit auch die neue Linie auf dem nördlichen Berliner Ring – angenommen wird, braucht es ein attraktives Gesamtkonzept, das Antworten auf die innerstädtischen Mobilitätsbedürfnisse und jener der vielen Einpendler liefert. Bis heute fehlt ein solches. „Der ‘Masterplan für Nachhaltige Mobilität‘ [1] der Stadt aus dem Jahr 2018 enthält keine belastbaren Aussagen darüber, wie der ÖPNV nutzergerecht weiterentwickelt werden soll. So überrascht es uns nur wenig, dass sowohl beim damaligen Beschluss des heutigen Stadtbuskonzeptes in 2016 [2], als auch diesmal bei dessen Erweiterung einige Stadtverordnete nur mit Bauchschmerzen zustimmten“, stellt Castellanos abschließend fest.

Verweise
[1] Masterplan Nachhaltige Mobilität Stadt Bensheim, 2018
[2] Pressemitteilung von PRO BAHN Starkenburg e.V. vom 25.11.2016


Fahrplanbuch ab sofort erhältlich!
Region Rhein-Nahe / Rhein-Neckar | 31.03.2022
Gemeinsame Pressemitteilung von
PRO BAHN Landesverband Baden-Württemberg e.V.
PRO BAHN Landesverband Rheinland-Pfalz/Saarland e.V.
PRO BAHN Regionalverband Starkenburg e.V.
und Netzwerk bergstraße.mobi
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Das Fahrplanbuch für das Gebiet des Rhein-Nahe-Nahverkehrsverbundes (RNN) und des Verkehrsverbundes Rhein-Neckar (VRN) – der „Gesamtfahrplan RNN/VRN 2022“ –  ist ab sofort erhältlich. Das teilen das Netzwerk bergstraße.mobil und der Fahrgastverband PRO BAHN in einer gemeinsamen Presseerklärung mit.
Das 6 cm dicke Buch enthält auf über 2.480 Seiten sämtliche Bus-, Bahn, Ruftaxi- und Fährlinien in beiden Verbünden sowie ausgewählte Fernverkehrsverbindungen. Nach einer erfolgreichen Crowdfunding-Kampagne (wir haben berichtet) und dem finanziellen Engagement der Herausgeber konnte der Verkaufspreis auf 22 Euro pro Exemplar (zzgl. Versand) reduziert werden.

Erfolgreiches Sponsoring

„Wir sind immer noch überwältigt von der finanziellen Großzügigkeit, die uns in den letzten Monaten erreichte“, freut sich Peter Castellanos, der das Projekt im Auftrag der Herausgeber leitet. „Ohne diese Beiträge würde ein Exemplar bedingt durch die kleine Auflage deutlich mehr als 37 Euro kosten und das Projekt wäre mit Sicherheit gescheitert. Wir möchten an dieser Stelle der Stadt Viernheim, der Verkehrsgesellschaft Gersprenztal und allen beteiligten Privatpersonen für ihr selbstloses Engagement in unserem außergewöhnlichen Projekt danken”.
Nicht zuletzt gelte auch den Interessenten großer Dank. Diese hätten durch ihre Nachfrage „nicht nur die Auflage gesichert, sondern ebenso gezeigt, dass gedruckte Fahrplanmedien weiterhin zum Produktportfolio einer professionellen Fahrgastinformation gehören müssen“, ergänzt Castellanos.

Die Einnahmen aus dem Verkauf dienen ausschließlich der Kofinanzierung der Herstellungskosten. Das Fahrplanbuch wurde in ehrenamtlicher Arbeit erstellt und stellt in seiner Zusammensetzung eine Neuheit dar. Für ein Druckwerk, das alle Linien zweier verschiedener Verbünde in sich vereint, gibt es kein Vorbild”, ist Castellanos überzeugt.

Von den 200 gedruckten Exemplaren sind (Stand 31.03.) noch 17 Stück erhältlich. Diese können unter www.t1p.de/fahrplanbuch oder 01577 9217391 (Ansprechpartner: Peter Castellanos; i.d.R. tägl. ab 19 Uhr erreichbar) bei den Herausgebern erworben werden. Darüber hinaus ist es im Bürgerbüro der Stadt Viernheim erhältlich, solange der Vorrat reicht. Die nächste Ausgabe des Fahrplanbuchs soll frühestens 2024 erscheinen.



Dichtere Taktung allein bringt keine neuen Fahrgäste
Heppenheim | 01.12.2021


Bereitstellung weiterer Finanzmittel für den Stadtbus erfreulich. Ob dieses für eine Taktverdichtung des aktuellen Konzeptes eingesetzte Geld sinnvoll investiert ist, darf bezweifelt werden. Eine Gesamtkonzeption für den Heppenheimer ÖPNV unter Berücksichtigung des Nahverkehrsplans ist notwendig.


Das Netzwerk bergstraße.mobil freut sich, dass die Stadt Heppenheim in ihren ÖPNV investiert. Ob die im ersten Schritt avisierte Verdichtung auf einen 30-Minuten-Takt unter der aktuellen Stadtbus-Konzeption sinnvoll ist, darf jedoch bezweifelt werden. „Das Geld sollte besser in eine Überplanung des gesamten Heppenheimer ÖPNV zu einer intelligenten Gesamtkonzeption investiert werden. Allein schon weil der Nahverkehrsplan für die nächsten Jahren viele Änderungen in der Stadt Heppenheim vorsieht, die intelligent mit den städtischen Planungen zu verzahnen sind. Es wäre schade, viel Geld in den ÖPNV zu pumpen, ohne die erhofften Erfolge zu erzielen“, warnt Peter Castellanos, Sprecher des Netzwerks bergstraße.mobil.


Von Doppelacht über Schneckenhaus zu Schmetterlingsflügeln


Nachdem 2010 die erste Version des Stadtbusses zunächst mit einer Linie in einer Art Achterschleife eingeführt und aufgrund seiner Fehlkonzeption sechs Jahre später mit überschaubaren Erfolgen zu einer Schneckenhausförmigen Streckenführung überarbeitet wurde, ging Ende 2018 die heutige Konzeption, bestehend aus zwei Linien, die bei Draufsicht an Schmetterlingsflügel erinnern, in Betrieb (siehe Grafik). Die Varianten „Doppelacht“ und „Schneckenhaus“ wurden im 60‘-Takt bedient, die Variante „Schmetterlingsflügel“ im 30‘-Takt. Letztere musste wenige Monate später zum heutigen, schwer einprägsamen 45-Minuten-Takt (bzw. am Wochenende 90‘-Takt) angepasst werden. Grund hierfür war der nicht fahrbare Fahrplan: Es waren keine ausreichenden Pufferzeiten für kleinere Verspätungen vorgesehen.



„Allein schon aus dieser enttäuschenden Historie heraus erscheint es ratsam, sorgfältig zu planen bevor neues Geld investiert wird“, resumiert Verkehrsplaner Castellanos die bisherige Entwicklung und verweist dabei auf gut geplante, erfolgreiche Stadtbuskonzepte in Michelstadt/Erbach sowie weitere Klein- und Mittelstädte vergleichbarer Größe, wie Heppenheim.


Stadtbus darf Regionalbuslinien nicht kannibalisieren


Ein Stadtbussystem soll vorhandene Regionalbuslinien sinnvoll ergänzen und nicht kannibalisieren. So ist etwa eine Bedienung des Kreiskrankenhauses eigentlich nicht erforderlich, da es schon dreimal pro Stunde durch die Regionalbuslinien des Kreises angesteuert wird. Künftig soll das Angebot dort sogar erheblich aufgestockt werden. Gleichzeitig sind viele Quartiere schlecht oder gar nicht erschlossen, so z.B. die gesamte Blütenstraße in der Nordstadt oder die Opelstraße im Gewerbegebiet Weiherhausstraße.
Bahnhofsferne Quartiere an den Schienenverkehr anbinden und innerstädtische Zielen miteinander zu verknüpfen sind weitere Aufgaben erfolgreicher Stadtbuskonzepte. So könne der Stadtbus einen Beitrag zu einer nachhaltigen Innenentwicklung leisten. Hier seien in Heppenheim schon gute Ansätze erkennbar, so die Bürgerinitiative, die aus dem Fahrgastbeirat des Kreises hervorgegangen ist. Nachbesserungsbedarf bestehe dennoch (Auflistung nicht abschließend):

  • Nur umwegig sind gegenwärtig die Haltestellen in der Mozartstraße durch die unglückliche Schleifenführung in der Weststadt mit der Altstadt verbunden.
  • Die Stadtteile Sonderbach, Unter- und Ober-Hambach können nur mit dem vobestellpflichtigen Ruftaxi erreicht werden, obwohl dort nach Maßgaben des Nahverkehrsplans ausreichende Potenziale für einen Busverkehr bestehen.
  • Konzeptionell ist die Teilung der beiden Linien am Bahnhof, obwohl jede Fahrt durchgebunden wird, problematisch. Das mache wenig Sinn und erschwere nur die Orientierung. Praktischer wäre ein Linienwechsel an den Außenrändern der gegenwärtigen Linienführungen, z.B. im Gewerbegebiet Gunderslache.

„Es ist anerkennenswert, dass an einer Weiterentwicklung des Stadtbusses festgehalten wird. Neues Geld sollte jedoch in einen Neuanfang mit fachlicher Expertise, die die Nutzerbedürfnisse einbezieht, investiert werden. Dafür ist jetzt der richtige Zeitpunkt: Spätestens bis zur Vorbereitung der nächsten Vergabe der Busleistungen in 2026 sollte ein neues Konzept vorliegen“, schlägt Castellanos abschließend vor.